Sachstandsbericht über die Arbeiten des Runden Tisch Solarien (RTS) vom 13.02.2003
Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Die Arbeiten am Runden Tisch Solarien sind von dieser Lebensweisheit in besonderem Maße betroffen. In der Zusammensetzung der Arbeitsgruppe unter der Federführung des Bundesamtes für Strahlenschutz mit Vertretern der Industrie, der Wissenschaft, der Dermatologen, der Deutschen Krebshilfe und der Strahlenschutzkommission sitzen sehr unterschiedliche Interessenlagen an den Themen Anwendung und Wirkungen der künstlichen Besonnung am Tisch; entsprechend weit sind die Wege zum Kompromiß. Die gemeinsame Zielsetzung, ein Qualitäts-Zertifizierungsverfahren für Sonnenstudios mit Aufmerksamkeits- und Anerkennungswert für den Benutzer zu schaffen sowie Garantie für Risikovermeidung zu sein, ist unbestritten. In der Festlegung der substantiierten Grundlagen jedoch sind Detailfragen zu bearbeiten, festzulegen und zu formulieren, in denen das Ausmaß der einzelnen Standorte der beteiligten Gruppierungen lange Wege bis zum Kompromiß offenbaren. Die Erreichung des gemeinsamen Willens, der Solarienindustrie ein zweckgerechtes, vertretbares Zertifizierungsverfahren, das von allen beteiligten Gruppierungen getragen wird, zur Verfügung zu stellen, rechtfertigt den Zeitaufwand für die Findung der Kompromisse. Besser Gemeinsamkeiten zu definieren als Gegensätze öffentlich auszutragen – eine weitere Lebensweisheit in bezug auf den RTS. Für Anfang Februar hatte der Runde Tisch den Abschluß seiner Arbeiten programmiert. Der Termin ließ sich jedoch nicht halten. Neuer Termin ist der Mai 2003. Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, daß im ersten Halbjahr 2003 der Start für das Zertifizierungsverfahren erfolgen kann. Die praktische Umsetzung der Zertifizierung selbst in interessierten Studios wird sicherlich nicht vor dem zweiten Halbjahr 2003 möglich sein. Die Information der Branche wird zur Zeit ebenso vorbereitet wie die Erledigung der Restarbeiten zum Zertifizierungsverfahren selbst. Neben der Vorstellung des Verfahrens in den Medien ist an die Verteilung eines Flyers an möglichst alle Betriebe der Solarienindustrie gedacht. Dieser Flyer wird Auskunft über alle wichtigen Grundsätze des Verfahrens und die Beteiligungsmöglichkeiten zum Inhalt haben. Der Herstellerverband SLS wird im Zusammenhang mit der bevorstehenden Fachmesse Solaria, Köln, einen umfassenden Informationstermin über das kommende Zertifizierungsverfahren anbieten. Die elektronischen Medien des Bundesamtes für Strahlenschutz wie aber auch der Branchenverbände werden die notwendigen Informationen zur Verfügung stellen. Die Umrisse des künftigen Zertifizierungsverfahrens in der Solarienbranche stehen fest. Dokumentiert wird die Zertifizierung durch die Vergabe eines Siegels und einer Urkunde nach erfolgter Prüfung des Betriebes. Das Siegel, ein Wort-Bild-Zeichen, wird mit hoher Marktdurchdringung dem Verbraucher/Benutzer den Qualitätsstandard des zertifizierten Studios signalisieren, der durch den Runden Tisch auf allen Gebieten der Betriebsführung, von der Technik über die Ausbildung, die Kundenbetreuung und Beratung bis hin zu einer modernen Betriebsführung vorgegeben ist. Die Siegelvergabe erfolgt nach einer Studio-Überprüfung durch hierfür autorisierte Unternehmen auf der Basis einer vom Runden Tisch Solarien vorgegebenen Checkliste. Autorisiert werden Prüfungsunternehmen, die ein spezielles Akkreditierungsverfahren beim Bundesamt für Strahlenschutz durchlaufen und das Recht zur Verleihung des Siegels erhalten. Die rechtlichen Grundlagen für dieses Akkreditierungsverfahren werden derzeit von den Experten erarbeitet. Das Antragsverfahren, die Antragsprüfung und die Akkreditierung der künftigen autorisierten Zertifizierer im Solarienmarkt werden im Zusammenhang mit dem Abschluß der Arbeiten am Inhalt des Zertifizierungsverfahren selbst abgeschlossen sein und in die Praxis umgesetzt werden können. Die Zertifizierung der Sonnenstudios wird voraussichtlich zu einem festgesetzten Zeitpunkt nach Abschluß der ersten Akkreditierungsverfahren beginnen. Wesentlicher Bestandteil des künftigen Zertifizierungsverfahrens wird der Nachweis ausreichender personeller Kompetenz in der Kundenberatung und –pflege durch eine fundierte und qualifizierte Ausbildung sein. Die den künftigen Zertifizierungsverfahren entsprechende Ausbildungsqualität wird durch ein Zulassungsverfahren der künftigen Ausbildungsstätten in der Branche – ähnlich dem Akkreditierungsverfahren der künftigen Zertifizierungsunternehmen sichergestellt. Auch dieses Zulassungsverfahren wird dreiteilig sein: Antragsverfahren, Antragsüberprüfung, Zulassung. Die Qualität der Ausbildungsanforderung über alle im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens anerkannten Ausbildungsstätten und die Gleichwertigkeit der Ausbildungsinhalte wird im Rahmen der Zulassung auf der Basis entsprechender Vorgaben des Runden Tisches sichergestellt. Nach dem Bearbeitungsstand der Grundlagen für dieses Zulassungsverfahren im Rahmen der künftigen Ausbildungsanforderungen bei Redaktionsschluß ist davon auszugehen, dass diese Zulassungsverfahren zeitlich hinter dem Akkreditierungsverfahren der künftigen Zertifizierer liegen wird. Dieser Zeitversatz wird im wesentlichen keine Auswirkungen auf den Beginn der Zertifizierungen in der Praxis haben, da die Ausbildung der Akademie für Besonnung, auch in Verbindung mit TÜV-Akademie Rheinland den Ausbildungsanforderungen des künftigen Zertifizierungsverfahrens vollinhaltlich entspricht. Über die Inhalte des Zertifizierungsverfahrens wird nach deren Fertigstellung später auch an dieser Stelle zu berichten sein. Mitgliedsunternehmen der Verbände SLS, FVS und Photomed erhalten die Informationen aktuell über ihre entsprechenden Verbandsaktivitäten. Aus heutiger Sicht ist ein großes Interesse der Branche an dem künftigen Zertifizierungsverfahren festzustellen, naturgemäß aber auch Unsicherheiten aufgrund der noch fehlenden Komplettinformation. Die Bewertung der an den bisherigen Arbeiten des Runden Tisches unmittelbar beteiligten sowie der in Einzelfragen tangierten Personen zeigt im wesentlichen, dass sich mit dem bevorstehenden Zertifizierungsverfahren für die Branche ein Angebot zur weiteren Konsolidierung am Markt und zur Qualitätsverbesserung für die Studios ergibt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Autorenschaft des Runden Tisches Solarien, der in gemeinsamer Zielsetzung dieses Angebotes für die Branche geschaffen hat und die Umsetzung in die Praxis verfolgen wird und weiterhin überprüfen wird. Es war nicht immer so, dass alle Gruppierungen an dieser Zielsetzung gemeinsam gearbeitet haben. Meinungsunterschiede und unterschiedliche Denkansätze wurden sehr oft in harter Auseinandersetzung öffentlich und mit dem Nachteil erheblicher, zum Teil unberechtigter Verunsicherung der Verbraucher ausgetragen. Die mit den Grundsätzen des Runden Tisches Solarien erreichte neue Dimension für die Branche sollte gleichzeitig Zukunftsinitiative sein. Der Branche und insbesondere der Zielgruppe Studiobetriebe ist nahezulegen, zukünftig möglichst breit, wenn nicht sogar vollständig von dem Angebot des RTS Solarien und dem Zertifizierungsverfahren Gebrauch zu machen. Es handelt sich um ein in staatlicher Mithilfe erarbeitet wirtschaftseigenes Instrumentarium zur Qualitätsverbesserung am Markt und Risikovermeidung durch die Schaffung von gewerblichen Standards. Wirtschaftseigene Instrumentarien hierfür sind allemal besser als staatliche Eingriffe. Die politische Dimension der Arbeiten des Runden Tisches liegt in der Vermeidung umfassender, stringenter gewerberechtlicher Verordnungen und Gesetze. Festzustellen bleibt allerdings, dass solche staatlichen Maßnahmen mit allen ihren Konsequenzen für die betroffene Wirtschaft nur dann unnötig bleiben, solange wirtschaftseigene Instrumentarien als gleichwertiger Ersatz anzusehen sind. In dieser Betrachtung liegt sicherlich auch ein sanfter Druck auf die Branche, das künftige Zertifizierungsverfahren des Runden Tisches auch umzusetzen. Stuttgart, den 13.2.2003 Rechtsanwalt Jürgen Bock Geschäftsführer Bundesfachverband Sonnenlicht-Systeme e. V.
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