An der Schwelle zum 21.Jahrhundert hat sich unsere Welt gewaltig geändert. Sie ist kleiner geworden. Die Entfernungen sind geschrumpft. Informationen gehen in sekundenschnelle um die Welt. Das Leben ist schneller, hektischer und stressiger geworden. Viele Menschen sind in unserer Leistungsgesellschaft überfordert. Die Zahl der schweren und chronischen Krankheiten ist gewaltig gestiegen. In dieser Zeit erleben alte Naturheilverfahren eine wahre Renaissance.
Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Viele Menschen wollen weg von der "Pillen-Mentalität"; wollen ihren Körper nicht mit noch mehr Chemie belasten. Und bei vielen Krankheiten versagen selbst die hochkarätigen, pharmakologischen Mittel. Deshalb die Rückbesinnung auf die Natur.
Dennoch haben die Naturheilverfahren einen schweren Stand in unserem medizinischen Alltag. In der letzten Jahrzehnten wurden an den Universitäten viele Lehrstühle, die sich damit befaßten, aus Kostengründen gestrichen. Erst in letzter Zeit ist diese Entwicklung wieder rückläufig. Und viele Ärzte bieten auch wieder Behandlungen mit Naturheilverfahren an - weil sie von der Wirksamkeit der verschiedenen Therapien wissen.
Was versteht man unter Naturheilverfahren? Professor Dr. med. Malte Bühring, Internist an der Freien Universität Berlin und erster Lehrstuhlinhaber für Naturheilkunde in Europa sagt dazu: "Unter dem Begriff Naturheilverfahren verstehen wir die Methoden der Physikalischen Therapie einschließlich Bewegungs-, Hydro-, Balneo- und Klimatherapie, bestimmte Formen der Ernährungstherapie und die Behandlung mit pflanzlichen Heilmitteln. Die Wirkungsmechanismen werden häufig im Sinne einer "Physiotherapie" interpretiert; als der Versuch, mit angemessenen Methoden die Natur (Physis) eines Menschen zu stimulieren (zu reizen), so daß diese zu gesundenden bzw. gesunderhaltenden körpereigenen Reaktionen angeregt wird".
Innerhalb dieser Verfahren kommt dem Naturelement Sonne eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Helio-Therapie ist eines der ältesten Naturheilverfahren, vielleicht sogar das älteste. Bereits die Griechen und die Römer wußten um die heilende Wirkung der Sonnenstrahlen. Bei uns war Sonne lange Zeit aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gründen verpönt.
Das änderte sich, als der Arzt Daniel Schreber Mitte des 19. Jahrhunderts den Zusammenhang zwischen Sonnenarmut und zahlreichen Krankheiten entdeckte. Er heilte anämische und tuberkulöse Kinder, in dem er ihnen Sonnenbäder verordnete. Er trat dafür ein, diesen Kindern zu mehr Licht, Luft und Sonne zu verhelfen und machte sich für kleine Gärten stark, die zwischen den Mietskasernen der Großstädte angelegt werden sollten. Diese Schrebergärten, nach seinem Tod nach ihm benannt, sprossen ab 1868 überall aus dem Boden. Und sind auch heute noch ein wichtiges Erholungsmittel für viele Städter.
Diese medizinischen Erfolge der Luft- und Lichttherapie führten dazu, daß sich die Heliotherapie gegen 1900 allmählich als anerkanntes Heilverfahren durchsetzen konnte. Den nächsten Schub erhielt die Heliotherapie durch sie Erfindung des ersten technischen "Sonnensimulators" (Besonnungsgerät) von Finsen, wofür er 1903 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. Mit dem "Sonnensimulator" wurde es möglich, künstliche Sonnenstrahlen zu erzeugen, die in ihrer Intensität gleichblieben und nicht den tages- und jahreszeitlichen Schwankungen der Natursonne unterworfen waren.
Dadurch erst konnte die internationale Grundlagenforschung betrieben werden, um die unzähligen Fragen zu der breiten Indikationspalette - Sonne hat die Macht, alle gesundheitlichen Prozesse im Organismus positiv zu beeinflussen - zu beantworten. Heutzutage, am Ende dieses Jahrhunderts, konzentrieren sich renommierte Forscher in ihren Untersuchungen auf die Wirkmechanismen dieses erfolgreichen Naturheilverfahrens.
Insbesondere wird und wurde die positive Einflußnahme auf das Immunsystem, auf die Stabilisierung des Knochenstoffwechsels sowie auf das Herz-Kreislauf-System untersucht. Und immer kommen die Untersuchungen zu einem Ergebnis: Richtig dosiert sind UV-Strahlen gesund für unseren Körper.
Die Wiederentdeckung der Helio- oder Sonnentherapie kommt in Zeiten leerer Kassen gerade noch zum richtigen Zeitpunkt.Ihre Anwendung wirkt gesundheitlich gesehen höchst effektiv und ist kostengünstig. Verantwortlich für die medizinisch positiven Wirkungen sind - nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft - vor allem die ultravioletten Strahlen (UV) des Sonnenspektrums - egal ob natürlich oder technologisch erzeugt.
Für beide heilsamen Strahlenquellen jedoch gilt es, wie auch bei allen anderen Naturheilverfahren, die individuelle Dosis (Dosis = Bestrahlungsstärke x Zeit) zu berücksichtigen. In der Natursonne muß man ganz besonders vorsichtig sein, um das Warnsignal "Sonnenbrand" (Lichtentzündung) nicht zu überhören, denn "verbrannte Zellen" werden von der Haut abgestoßen und können somit auch keinen gesundheitlichen Nutzen mehr erzielen.
Bei Therapiegeräten und Solarien ist ein Sonnenbrand durch Überschreitung der vorgegebenen Besonnungsdauer grundsätzlich auch möglich, da sie Besonnungsgeräte - wie die Natursonne - ebenfalls UVA- und UVB- Strahlen abgeben. Ihre Intensitäten sind jedoch immer gleich und daher, je nach Hauttyp, individuell dosierbar. Hinsichtlich der in den vergangenen Jahren beängstigenden Hypothesen einiger Hautärzte zum möglichen Hautkrebsrisiko, äußert sich Professor Malte Bühring: "Neben den bekannten onkologisch dermatologischen Risiken einer extrem übertriebenen UV-Explosion scheint eine hauttypgerechte dosierte Bestrahlung mit ultraviolettem Licht sogar krebsschützende Wirkungen für den gesamten Organismus zu besitzen". Dies können übrigens auch andere Kapazitäten auf diesem Gebiet bestätigen. So berichtet Professor Friedrich Schröpl aus Fulda, daß UV-Strahlen die Vitamin-D-Produktion in unserem Körper anregen und so vor Magen- und Darmkrebs schützen. Gleichzeitig zitiert er Studien aus den USA, daß UV-Strahlen bei Frauen das Brustkrebs-Risiko und bei Männern das Prostata-Krebs-Risiko sinken lassen.
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