SOLARIEN MACHEN UNS GESUND!

Die Sonne tut uns gut.

Wie oft wurde das Bräunungsbad unter der Kunstsonne als Bratbude für eitle Wichtigtuer verspottet. Jetzt sagen Experten: Der Nutzen ist weit größer als der Schaden! Auf der Kölner Fachmesse "Solaria" wurden zahlreiche neue Sonnenlichtsysteme vorgestellt. Ein Markt mit Zukunft, ergab doch eine Befragung von knapp 850 Deutschen, dass etwa 60 Prozent Solarien nutzen, ein Viertel von ihnen regelmäßig. Interessant die Motive: Männer gehen unter die Kunstsonne, um mehr Sex-Appeal und sportlicheres Aussehen zu erreichen. Frauen dagegen wollen vom Solarium vor allem Entspannung, Belebung und Wohlbefinden. Aber: Die jahrelangen Kampagnen eines großen Teils der Dermatologen, die das UV-Licht für ein vermehrtes Auftreten von Hautkrebs verantwortlich machen und deshalb vor Sonne und Solarium warnen, zeigen Erfolg. So trauen sich die meisten von uns nicht einmal mehr in der dunklen Jahreszeit, das ungesunde Minus an Sonnenlicht durch regelmäßige Besuche im Solarium wettzumachen. Mittlerweile scheint sich aber auch unter Experten die Ansicht zu verbreiten, dass die Parolen zu einer übertriebenen Furcht vor echter und künstlicher Sonne geführt haben. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Hautkrebs gar nicht auf UV-Licht, sondern vielmehr auf die Wärmestrahlung zurückzuführen ist. Und die lässt sich auch mit noch so guten Sonnenschutzcremes nicht reduzieren. Im Gegenteil: Wer ein Mittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor wählt und sich deshalb vermeintlich gefahrlos länger in der Sonne aufhält, verringert zwar die UV-Dosis für die Haut, erhöht dafür aber den Anteil an Wärmestrahlung. In Solarien bekommt die Haut dagegen weniger dieser Wärmestrahlung ab – wegen der ausgeklügelten Kühlungssysteme. Wenn Sie mehr über die positiven Effekte des UV-Lichts wissen wollen, lesen Sie bitte das Interview.

FIT FOR FUN:

Bis vor wenigen Jahren waren Solarien nur zum Bräunen da. Heute stellen Solarienbetreiber eher die biopositiven Eigenschaften der künstlichen Sonne in den Vordergrund. Hat sich an den Geräten etwas geändert?



PROFESSOR SCHRÖPL:

Ja. Zum einen besitzen die modernen Geräten ein Lichtspektrum, das dem Sonnenlicht ähnlicher ist. Zum anderen kommen immer mehr Lampen zum Einsatz. Zunächst waren es meist 24, dann 48, heute 72 und mehr. Und je mehr Lampen verwendet werden, desto besser muss die Kühlung funktionieren, um die abgestrahlte Wärme abzuführen. Außerdem gibt es heute auch offene Geräte – um keine klaustrophobischen Gefühle aufkommen zu lassen.



FIT FOR FUN:

Sie sagten, das Lichtspektrum sei heute sonnenähnlicher. Was bedeutet das?



PROFESSOR SCHRÖPL:

Reine UVA-Strahlung bräunt zwar schnell. Doch diese Bräune hat eine leicht schmutzige, etwas gräuliche Farbe und vergeht schnell wieder. Die schnelle Bräunung resultiert daraus, dass die in der Haut bereits vorhandenen Vorstufen den Farbstoffs Melanin nur gedunkelt und verteilt werden. Das UVB-Licht hingegen kurbelt die Produktion neuen Melanins an, so dass die Bräune besser aussieht und länger hält. Zudem ist ausschließlich die UVB-Strahlung für die biopositiven Wirkungen verantwortlich.



FIT FOR FUN:

Und welche sind das?



PROFESSOR SCHRÖPL:

Studien haben gezeigt, dass UVB-Licht die Fließeigenschaften des Blutes verbessert, erhöhten Blutdruck senkt, das Immunsystem insgesamt stärkt – auch wenn es lokal in der Haut zeitweise gestört wird – und das Herzinfarktrisiko verringert. Auf den Untrainierten wirkt UVB-Licht so, als hätte er ein leichtes Ausdauertraining absolviert. UVB regt den Körper sogar an, vermehrt rote Blutkörperchen zu bilden, die für den Sauerstofftransport notwendig sind. Vermutlich ist es auch das UVB-Licht, das für eine vermehrte Ausschüttung von Endorphinen – auch "Glücksbotenstoffe" genannt – sorgt. Diesbezüglich werde ich als Vorsitzender des Wissenschaftsrats Sonnensysteme demnächst eine Studie starten. Bekannt dürfte sein, dass UVB die Bildung des Vitamins D3 anregt. Anders gesagt: Ohne UVB kein Vitamin D3 – es sei denn, man nimmt es mit der Nahrung auf, etwa durch Lebertran. Im Winter aber bekommen wir viel zu wenig UVB ab, bilden also auch zu wenig D3, das unter anderem für die Einlagerung des Kalziums in die Knochen verantwortlich ist. Einer der wichtigsten Effekte des Vitamins ist aber wohl seine krebshemmende Wirkung.



FIT FOR FUN:

UVB-Licht soll durch Vitamin-D-Bildung Krebs hemmen? Bisher hieß es doch allenthalben: Bloß nicht zu viel Sonne, das verursacht tödlichen Hautkrebs?



PROFESSOR SCHRÖPL:

In der Tat ist es so, dass zu hohe Dosen Sonnenstrahlung bestimmte Tumoren – so genannte Spinaliome und Basaliome – fördern. Doch die sind leicht zu behandeln und selten tödlich, da sie nur in der obersten Hautschicht sitzen, leicht zu entfernen sind und nicht streuen. Der wirklich gefährliche schwarze Hautkrebs – das Melanom – tritt meist nicht da auf, wo die Sonne vor allem hinkommt, also an Kopf, Hals, Nacken und Handrücken. Melanome zählen sogar zu den Krebsarten, die durch Vitamin D3 gebremst werden. Das haben nicht nur Versuche an Zellkulturen und Tumortransplantaten an Tieren gezeigt. Ein weiteres wichtiges Argument gegen jene, die Melanome der UV-Strahlung zuschreiben, ist auch Folgendes: Patienten mit Schuppenflechte, die über mehr als 20 Jahre mit gegenüber dem Sonnenlicht 10- bis 15-fach erhöhten UVB-Dosen behandelt wurden, zeigten kein erhöhtes Melanomrisiko.



FIT FOR FUN:

Sie sprachen von "Krebsarten", gegen die UV-Licht vorbeugend wirkt. Gibt es denn noch mehr?



PROFESSOR SCHRÖPL:

Eine ganze Menge. Es hat sogar einen gewissen Schutzeffekt vor Krebs des Darms, der Prostata, der Brust, der Nieren, der Eierstöcke, der Netzhäute, der Lunge und der Knochen. Es gibt eine – was die Meinung vieler hiesiger Dermatologen angeht - überaus ketzerische Statistik: Nimmt man alle Fälle von Krebstoten der USA, die durch das Licht der Sonne gestorben sind, so kommt man auf eine Zahl von etwa 2000 pro Jahr. Schaut man sich dagegen die Zahl derjenigen an, die an Krebsarten sterben, von denen zumindest ein Teil durch ausreichend UVB-Licht hätte verhindert werden können, so kommt man auf knapp 137 000 Tote. Stellt sich da nicht wirklich die Frage, ob die Panikmache vor UV-Strahlen in die richtige Richtung zielt? Das Perfide daran ist, dass all diese Fakten – auch bezüglich der positiven Wirkungen des UVB-Lichts – prinzipiell allen Medizinern, also auch Dermatologen, zugänglich sind.



FIT FOR FUN:

Wenn es so ist, dass die groß angelegten Kampagnen Marke "Sonne, nein danke" alle auf falschen Informationen oder Schlußfolgerungen beruhen, woher kommt denn dann die Devise "Nie mehr als fünfzig zusätzliche Solarienbesuche pro Jahr?



PROFESSOR SCHRÖPL:

So wie man sich irgendwann darauf geeinigt hat, dass die maximale Röntgendosis pro Jahr einen bestimmten Wert nicht überschreiten sollte, lief es auch mit der UV-Strahlung: Das vermeintliche Wissen minus einen gewissen Sicherheitsabschlag – fertig war das, was heute sogar DIN-Norm ist. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch; Ich will nicht, dass die Leute ab sofort am Strand oder im Solarium auf Teufel komm raus braten – das ist ganz gewiss nicht gesund. Doch ich möchte weg von der unvernünftigen Verteufelung.



FIT FOR FUN:

Woran erkennt man ein Solarium, das biopositive UVB-Strahlung liefert?



PROFESSOR SCHRÖPL:

Die Geräte sollten idealerweise ein Prozent UVB enthalten. Das müsste Ihnen das Studiopersonal sagen können. Prinzipiell ist es so: Je kürzer die maximal erlaubten Bräunungszeiten des jeweiligen Geräts, desto mehr UVB ist drin.



FIT FOR FUN:

Wie oft sollte man im Winter ins Solarium?



PROFESSOR SCHRÖPL:

Das ist vom Hauttyp abhängig. Man sollte grundsätzlich nur so oft ins Studio, wie man sich wirklich wohl dabei fühlt. Eine "gesunde" Bräune ist okay. Wenn man so aussieht als wäre man in der Mittagssonne am Äquator eingeschlafen, ist es definitiv zu viel, Wer ein wenig auf seinen Körper hört, wird das rechte Maß finden. Meine Frau zum Beispiel geht seit vielen Jahren viel häufiger als ich ins Solarium. Und ihre Haut sieht keinesfalls älter aus als sie ist – ganz im Gegenteil.



Quellenhinweis: Zeitschrift Fit for Fun, Ausgabe 11/99





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